Nachgedanken

Das hier soll jetzt zwar kein Epilog werden, aber doch so etwas wie, nun ja, ... Nachgedanken. Ein paar Überlegungen zum Weshalb, Warum und Wieso unseres Jachtie-Projekts und seines (vorläufigen) Endes.


Weshalb überhaupt der Ausstieg auf Zeit?

Wie bei allen wichtigen Entscheidungen im Leben ist auch hier die Antwort einfach: weil wir es schon immer unbedingt wollten!

Reisen war für uns seit jeher ein wesentlicher Aspekt des Lebens. Schon vor Jahren hatten wir uns versprochen, nach Möglichkeiten zu suchen, einmal für längere Zeit auszusteigen. Als normaler Tourist mit begrenztem Zeitbudget ist es schwer, fremde Länder intensiv zu erleben. Für uns bedeutete Reisen immer mehr, als an einem netten Hotelpool einen guten Drink zu schlürfen. Wir wollten mit Zeit und Muße Land und Leute kennen lernen, so gut es einem fremden Gast in einem fremden Land auf der Durchreise eben möglich ist.


Wie konnten wir unseren Traum eigentlich realisieren?

Mit Vierzig konnte ich meine damalige Firma verkaufen und nahezu zeitgleich konnte Herta ihren damaligen Arbeitgeber überzeugen, ihrem Wunsch nach einem maßgeschneiderten Arbeitszeitmodell zuzustimmen. Damit waren alle Voraussetzungen günstig wie nie, um unseren Traum wahr zu machen.

Dazu eine gehörige Portion jugendlicher Leichtsinn, und schon ist das alles kein Problem mehr ...


Warum ausgerechnet ein Schiff?

Anfangs ging es um's Reisen an sich. Von Segeln war nie die Rede. Mit den Jahren kam dann der Spaß am Segeln hinzu. So kam ein Gedanke zum anderen. Das Mittelmeer mit seiner kulturellen Vielfalt, der Lebensweise seiner Bewohner und seinem Klima hat uns schon immer fasziniert. Und wie könnte man die Gestade eines solch interessanten Gewässers besser erkunden als mit einer Segeljacht? Das Reisen mit einer Segeljacht ist unvergleichlich. Es bietet Möglichkeiten, die keine andere Art des Reisens bietet. Es verändert Einstellungen und kann zu einer Lebensauffassung werden; für viele, die wir unterwegs kennen gelernt haben, ist es das auch zweifellos geworden. Auch wir sind nicht unbeeinflusst geblieben.


Wieso beenden wir jetzt diesen wunderbaren Lebensabschnitt?

Jeder kann sich vorstellen, dass es einfach nicht möglich ist, eine solch einzigartige Zeit endlos auszudehnen. Der Entschluss zum Verkauf unseres Schiffs ist uns nun gewiss nicht leicht gefallen. Wir waren, und sind, einigermaßen hin- und hergerissen. Aber ein Schiff ist für's Wasser gemacht und wird vom langen Warten an Land nicht schöner.

Und ich muss an dieser Stelle einfach zugeben, dass ich mal eine längere Pause brauchte. Als Mittelfranke bin ich ja nicht gerade das, was man sich unter einem in der Wolle gefärbten Segler vorstellt. Und auch in meinem bisherigen Seglerleben war das Segeln selbst nie das Wesentliche. Segeln war für mich immer eher Mittel zum Zweck als dass mich je ernsthafter sportlicher Ehrgeiz gepackt hätte. Aber es ist natürlich eine wunderbare Lebensweise und eine schöne - wenn nicht gar die schönste - Art, von A nach B zu kommen und dabei langsam Land und Leute kennenzulernen. Mit Betonung auf "langsam". Das haben wir nun viele Jahre lang ausgiebig getan und genossen.

Meine Seekrankheit habe ich dabei zwar im Laufe der Jahre und mit zunehmender Erfahrung recht gut in den Griff bekommen, doch eine gewisse Nervosität angesichts von Wind und Welle hat mich nie verlassen, so dass ich auf See selten völlig entspannt war. Ich werde mich also wohl oder übel auch weiterhin als segelnde Landratte betrachten müssen.

Zu den harten Fakten, real und nachvollziehbar, gehört auch die Frage der Finanzierung dieses Lebensstils. Wir sind ja noch lange nicht im Rentenalter und können uns deshalb kaum vorstellen, dieses Vagabundenleben ohne Unterbrechungen so weiter zu führen und auf den Luxus eines einigermaßen geregelten Einkommens sowie des geborgenen Landlebens gänzlich zu verzichten. Die Mischung macht's.

Aber zur Klarstellung: wir beenden nicht, wir unterbrechen. Wer dieses Leben so lange gelebt hat, der wird wohl nicht für immer aus dem Ausstieg wieder aussteigen. Wie ich ja schon geschrieben habe, neue Träume sind schon am Horizont zu sehen. Aber wir gehen's eben mal wieder langsam an ;-)


Das Paradies ist ohnehin im Kopf.

Gone Sailing

Nürnberg, im Sommer 2007